Über den Druck, eine perfekte Mutter zu sein

Ja, ich kenne sie: Die Gefühle, als Mutter überfordert zu sein, seinen eigenen Erwartungen und den Erwartungen anderer nicht standhalten zu können und hier und da das Gefühl zu haben, mit Pauken und Trompeten gescheitert zu sein. Vermutlich wird jede Mutter zustimmen, dass diese Momente vollkommen normal sind. Und doch hängt der Druck nach Perfektion oft wie ein dunkler Schatten über uns und lässt uns an uns selbst (ver-)zweifeln. Dabei könnte das Leben doch so schön sein…

PART I: Die „perfekte“ Schwangere

…Ich habe mich so manches Mal ernsthaft gefragt, ob irgendeines der dort abgebildeten Models wirklich schwanger war…

Ist es nicht seltsam, dass der Druck, eine perfekte Mutter zu sein, uns oft schon betrifft bevor wir überhaupt Mütter sind? Ich denke da beispielsweise an meine ersten Onlineshopping-Erfahrungen als Schwangere. Ich habe mich so manches Mal ernsthaft gefragt, ob irgendeines der dort abgebildeten Models wirklich schwanger war oder ob der kleine sichtbare Kugelansatz lediglich das Resultat einer ausgiebigen Photoshop-Behandlung war. Denn das, was ich da sah, waren überwiegend die ultraschlanken Models, die man von Catwalks kennt – mit dem kleinen Unterschied, dass die dort abgebildeten Damen ein kleines Bäuchlein hatten. Mittlerweile gibt es Gott sei Dank immer mehr Ausnahmen, die auch rundere und etwas realistischer aussehende Models in Umstandsmode zeigen. Aber es kommt natürlich darauf an, wo man schaut. Diese sehr idealisierten Bilder hab ich heute beispielsweise auf vier verschiedenen Plattformen gefunden:

Da ich mich seit Jahren mit dem Thema Body Image auseinandersetze, konnte ich solche Bilder damals und heute gut einordnen und sie haben mich nicht weiter beschäftigt. Aber ich habe mich gefragt, wie es anderen damit geht. Denn so viele Frauen fühlen sich überwältigt von den Veränderungen, die ihr Körper während der Schwangerschaft durchmacht. Und natürlich gibt es Tage, da fühlt man sich einfach nur aufgedunsen und unförmig. Dann wiederum gibt es Tage, da liebt man seine Kugel über alles und fühlt sich wie eine Mensch gewordene Göttin Venus. Auch das ist vollkommen normal.

…Wenn euch diese Gedanken runterziehen, macht euch einfach immer wieder klar, was euer Körper während der Schwangerschaft alles Wunderbares leistet…

Lasst euch jedenfalls eines gesagt sein: Jede Schwangere trägt eine ganz besondere Schönheit in sich. Ihr strahlt von innen. Und es ist vollkommen egal, wenn die Umstandskleider an euch anders aussehen als bei den Models, oder ob ihr Schwangerschaftsstreifen, Wassereinlagerungen und sonstige „Makel“ habt. Das stört niemanden, vor allem nicht euer Baby! Wenn euch diese Gedanken runterziehen, macht euch einfach immer wieder klar, was euer Körper während der Schwangerschaft alles Wunderbares leistet und schätzt das regelmäßig wert. Denn das ist ENORM und etwas, worauf ihr sehr stolz sein könnt!

PART II: Die „perfekte“ Geburt

…Lasst euch bitte niemals das Gefühl einreden, dass ihr als Mütter versagt habt oder nicht perfekt genug seid, weil eure Geburt nicht so perfekt verlaufen ist, wie ihr es wolltet…

Der Perfektionsdruck betrifft leider auch die Geburt und Geburtsvorbereitung. Versteht mich nicht falsch, ich finde es großartig, wie viele Produkte und Dienstleistungen angeboten werden, um Schwangeren die Geburt zu erleichtern.  Und keine Frau sollte vor der Geburt Angst haben müssen!!
Aber leider steckt hinter den gut gemeinten Angeboten häufig ein ganz klarer Verkaufsgedanke. Und verkaufen kann man natürlich am besten, indem man Idealbilder kreiert. Das, was mir oft auffällt, ist das Bild einer harmonischen, selbstbestimmten, möglichst schmerzfreien Geburt. Das ist sicherlich ein Bild, das Kraft geben und Angst nehmen kann – und ich bin sicher, dass es Frauen gibt, die genau so eine Geburt erleben.

Wir sollten aber trotzdem vorsichtig damit sein, uns in unserer Vorstellung einer perfekten Geburt zu sehr festzufahren (und das tun wir Frauen ja schonmal ganz gerne, wenn wir uns erstmal was in den Kopf gesetzt haben…). Denn es gibt unzählige Faktoren, die eine Geburt beeinflussen und viele davon liegen nicht in unserer Hand. Da kann ich als Frau sämtliche Yoga und Hypnobirthing Kurse belegt haben und am Ende kommt es vielleicht doch ganz anders als ich es mir ausgemalt habe.

Das Einzige, das zählt, ist doch, dass es euch und eurem Baby am Ende gut geht!

Lasst euch dann bitte niemals das Gefühl einreden, dass ihr als Mütter versagt habt oder nicht genug seid, nur weil eure Geburt nicht so perfekt verlaufen ist, wie ihr es wolltet. Das Einzige, das zählt, ist doch, dass es euch und eurem Baby gut geht! Da ist es vollkommen egal, ob ihr eine spontane Geburt oder einen Kaiserschnitt hattet, ob ihr das Baby zuhause, im Geburtshaus, auf dem Autositz oder im Krankenhaus bekommen habt.
Zudem solltet ihr euch wieder einmal vor Augen führen, was euer Körper bereits vor der Geburt geleistet hat. Da kann von Scheitern oder Versagen gar keine Rede sein! Im Gegenteil, ihr seid STARK!

Weitere Tipps für mehr Körperselbstliebe findest du hier

PART III: Der „perfekte“ Nach-Schwangerschafts-Körper (hahaha)

Keine Ahnung, wie die Absurdität entstanden ist, dass Frauen nach der Schwangerschaft wieder so aussehen sollen wie vorher…

Kaum hat Frau die Geburt überstanden, steht die nächste Perfektionshürde an: Der Körper nach der Geburt. Keine Ahnung, wie die Absurdität entstanden ist, dass Frauen nach der Schwangerschaft wieder so aussehen sollen wie vorher… Aber genau dieses Bild ist in der medialen Welt weit verbreitet (klar, man verkauft ja auch wieder etwas damit).
Was dagegen kaum jemand zeigt, ist, wie der Körper einer Frau nach der Geburt wirklich aussieht. Hierzu kann ich euch wärmstens empfehlen, euch mal die Fotoprojekte der Kanadierin Jade Beall und den Film Embrace – Du bist schön (Trailer ist verlinkt) anzusehen. Insbesondere in Embrace wird wunderbar beleuchtet, wie herausfordernd es für Frauen sein kann, wenn der stolz getragenen Babykugel ein „wabbeliges Etwas“ folgt. Aber ganz ehrlich, Mädels: Wir haben es alle erlebt und es ist echt kein Beinbruch, wenn man sich nicht die ganze Zeit selbstkritisch damit auseinandersetzt. Außerdem, auch wenn euer Körper vielleicht nicht haargenau wieder so aussehen wird wie vor der Schwangerschaft, die Veränderungen bilden sich nach und nach zurück.
Konzentriert euch in der Zwischenzeit einfach auf die wunderbare, besondere Zeit mit euren Babies und genießt sie!! Geht an die frische Luft, tanzt mit euren Babies singend durch die Wohnung und lasst Sorgen um euer Aussehen dabei gar keine Rolle spielen! Eure Babies lieben euch und für sie seid ihr perfekt, genau so wie ihr seid! Haltet euch das immer vor Augen!
Eine kleine Anekdote am Rande: Unser Sohn LIEBT es, mit seinen kleinen Fingern in den Überresten meines Babybauches zu kneten. Seit er sprechen kann, sagt er dabei immer ganz begeistert „Bauf! Bauf!“ und grinst von einem Ohr zum anderen. Was ich also selbstkritisch als „Problemzone“ betrachten könnte, ist in Wirklichkeit die Lieblingszone meines Kindes. Also alles eine Frage der Sichtweise 😉
Zudem sollten wir unseren Kindern möglichst vorleben, dass man seinen Körper in allen Lebenslagen lieben kann.

PART IV: „Perfekte“ Mutter auf Lebenszeit

Wer zum Kuckuck braucht schon Perfektion?

Perfektionismus ist unendlich. Mütter sollen perfekt aussehen, perfekt erziehen, perfekt Beruf und Familie unter einen Hut bringen… bla bla bla.

Damit sich mein Post nicht noch weiter in die Länge zieht – denn ich denke, wir wissen alle, worauf ich hinaus will – werfe ich nur eine Frage in den Raum: Wer zum Kuckuck will schon perfekt?

Der Druck, eine perfekte Mutter zu sein, kann uns Energie rauben, die wir eigentlich für unsere Kinder und vor allem für uns selbst brauchen.
Er kann uns Glück und Unbeschwertheit kosten, die ein Kind in unser Leben bringt.
Er kann uns blind machen vor dem Zauber, den die bedingungslose Liebe unseres Kindes entfacht.
Und er ist absolut unnötig.

Vergiss nie: 1.) Du bist für dein Kind absolut perfekt. Es liebt deine Stimme, deinen Geruch, deine Wärme, deine Berührungen…
2.) Wir alle machen als Eltern Fehler. Das gehört einfach zur „Jobbeschreibung“ dazu. Aber lass dir am heutigen Muttertag – und an jedem anderen Tag – gesagt sein: Du bist wertvoll und geliebt, in deiner einzigartigen, liebevollen Imperfektion ❤

Weitere Tipps für mehr Körperselbstliebe findest du hier-6

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